22. Fachtagung des Legasthenie-Zentrums Berlin e. V. am 24.11.2017 – „TEILHABE ERMÖGLICHEN – LERNEN FÖRDERN“

Am Freitag, 24. November hält Dr. Lars Tischler einen dreistündigen Workshop zum Thema Visuelle Wahrnehmung und Lesen, Schreiben, Rechnen.

Finden Sie hier den Flyer zum Fachtag.

http://www.legasthenie-zentrum-berlin.de/fort-und-weiterbildung/fachtagungen/

Finden Sie hier die Folien zum 3-Stunden-Vortrag von Lars Tischler inkl. bescheidener Empfehlungen zu Spielen in der Therapie visueller Informationsverarbeitungsstörungen.

 

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71. PSAPOH-Tagung in Frankfurt vom 15. – 17.11.2017

Am 16. November hält Lars Tischler zwei kurze Workshops zur visuellen Wahrnehmung im Rahmen der 71. Tagung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft in der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (PSAPOH) in Frankfurt am Main.

Hier der Link zur Veranstaltung.

Hier der Flyer.

Hier die Vortragsfolien von Lars Tischler.

 

 

Lars_Tischler_PSAPOH_visuelle_Wahrnehmung

Lars_Tischler_räumlich_perzeptive_Wahrnehmung

Lars_Tischler_FEW3

Es bleibt dabei: Eine differenzierte Diagnostik der visuellen Wahrnehmung ist mit den Tests der Frostigs-Reihe (FEW-2, FEW-3, FEW-JE – Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung) nicht möglich. Die Verfahren sind hierzu weder konzipiert noch geeignet.

„Sehr interessante Vortragsreihe: Schulverweigerung, Mediation in der Schule und Aufmerksamkeitsstörung“ – Empfehlung von legasthenietherapie-info.de

http://www.legasthenietherapie-info.de/vortragsreihe-schulverweigerung-mediation-in-der-schule-und-aufmerksamkeitsstoerung.html

http://4kids2get.de/aktuelles/

http://www.vhs-emden.de/fileadmin/user_upload/Kuckuck_3_17_vhs_inet.pdf

 

Schauen Sie gern vorbei, es wird interessant und informativ. Sie können sich gern vorher bei der Stadt Emden anmelden unter santjer@emden.de, oder einfach kurz anrufen:

04921 / 872117

 

 

LRS – Wächst sich das aus?

LRS – Wäscht Wächst sich das raus?

LRS, genauer die Lese- und Rechtschreibstörung – von Fachleuten kodiert als F81.0 ICD-10-GM – ist eine sogenannte umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten. In diesem Zusammenhang als am wesentlichsten erweist sich LRS als Entwicklungsstörung. Entwicklung meint hier die biologische Reifung des zentralen Nervensystems. Man bezeichnet die LRS – wie im Übrigen auch die isolierte Rechtschreibstörung oder die Rechenstörung – als Neuroentwicklungsstörung (neuro-developmental disorder gemäß dem englischsprachigen Klassifikationssystem DSM-5).

 

Dies bedeutet, dass die LRS

a) eine Folge von Funktionsstörungen oder beeinträchtigten Informationsverarbeitungs-prozessen darstellt, die

b) schon weit vor der Beschulung und damit ebenso vor der tatsächlichen Feststellung einer LRS auftreten. Damit ist die LRS nicht die eigentliche Störung, sondern das Symptom einer viel tiefergehenden Beeinträchtigung. Betroffen sind bereits im Klein-kindalter Sprechen und Sprache, Bewegungskoordination und visuell-räumliche Wahrnehmung; mithin Entwicklungsbereiche, die sich bereits in den U-Heften finden lassen. Das Wesen der LRS als Entwicklungsstörung bedeutet auch, dass

c) keine sogenannten Remissionen (Spontanheilungen) und damit auch keine Rezidive (Rückfälle) auftreten können – entweder hat man eine LRS oder nicht. Somit wird auch deutlich, dass

d) die LRS auch bei angemessener Beschulung auftreten muss – wer aufgrund mangelhafter oder fehlender Beschulung nicht Lesen, Schreiben (Analphabetismus) oder Rechnen kann verfügt nicht über eine umschriebene Entwicklungsstörung. Gerade trotz einer angemessenen Beschulung weisen Betroffene die bekannten Defizite in den Kulturtechniken auf. Das bedeutet auch, dass

e) eine LRS nicht aufgrund einer neurologischen Erkrankung oder etwa infolge eines Schädelhirntraumas auftritt – auch wenn die Symptomatik dieselbe sein mag: Es handelt sich hier um eine erworbene Beeinträchtigung und nicht um die Folge einer Entwicklungsstörung.

 

Fassen wir diese Punkte zusammen, ergibt sich ganz folgerichtig, dass sich die LRS nicht auswachsen kann. Wir können die Entwicklung des zentralen Nervensystems nicht einfach beschleunigen um spezifische Informationsverarbeitungsprozesse flott nachreifen zu lassen. Legasthene Schülerinnen und Schüler werden für den Rest ihres Lebens mehr Anstrengung in den Lese- und Rechtschreiberwerb investieren müssen als normalgesunde Schülerinnen und Schüler. Und selbst bei dieser vermehrten Bemühung werden sie regelmäßig die Kulturtechniken weniger gut beherrschen als nicht von LRS betroffene Kinder und Jugendliche.

Und selbstverständlich hört dies nach der Schule nicht auf. Allerdings können Erwachsene ihren Alltag – und damit auch die Verwendung von Schrift – natürlich viel eher selbst gestalten. Auch die Benutzung von entsprechenden Computerprogrammen hilft. Sie können Beschäftigungen wählen, die keine erheblichen Anforderungen an die Lese- und Rechtschreibfertigkeiten stellen; sie können vermeiden.

Es wird deutlich: Wenn es sich auswächst, ist es keine LRS gewesen – aber auf diese Erkenntnis zu warten, ergibt selbstverständlich wenig Sinn.

Eine Behandlung muss a) möglichst vom frühestmöglichen Erkennungszeitpunkt an b) vor allem an den Symptomen ansetzen. Das bedeutet, dass zusätzliche Förderung unmittelbar beim Auftreten erster Schwierigkeiten geleistet werden muss, nicht erst, wenn das Kind im Vergleich zu den Mitschülerinnen und Mitschülern abschneidet, dass eine Diagnose gestellt werden kann – wait to fail. Da ist in Deutschland noch einiges zu tun.

Ihr Kind verfügt über eine Legasthenie? Schauen Sie doch mal in die alten U-Hefte: Gibt es dort Hinweise auf Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen Sprache, Motorik und visuelle Wahrnehmung? Wenn ja: LRS? – Hätte man auch früher drauf kommen können.

Dr. Lars Tischler http://www.vigesco-institut.de

FEW und DTVP – der ewige Nepp seit 1961

Der Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW) bzw. der Developmental Test of Visual Perception (DTVP) – FEW 1-3. Ein kurzer Blick in die Geschichte eines Fehlers.

1. Der DTVP-1 besteht aus fünf Untertests.

2. Die Untertesteinteilung basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf Eindrücken aus der Praxis.

3. Die scheinbare wissenschaftliche Fundierung stellt die faktorenanalytische Arbeit Thurstones zur visuellen Wahrnehmung dar.

4. Die Autoren des DTVP-1 selbst haben keine Faktorenanalyse mit ihren Daten veröffentlicht.

5. Die Sinnhaftigkeit der Untertesteinteilung konnte nicht faktorenanalytisch belegt werden.

6. Die Sinnhaftigkeit der Untertesteinteilung konnte vielfach faktorenanalytisch widerlegt werden. Frostig widerspricht diesen Ergebnissen nicht. Sie stimmt tatsächlich einfach zu und ignoriert die Kritik vollständig.

7. Seit den 1960er Jahren steht fest: Die verschiedenen Untertests des DTVP-1 messen keine spezifischen Funktionen der visuellen Wahrnehmung.

8. Besonders eindrücklich formulieren dies D. D. Hammill et al. 1970:

http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/002246697000400304

9. Der FEW-1 von Oskar Lockowandt stellt die deutsche Fassung des DTVP-1 dar. Lockowandt hat selbst mit einer faktorenanalytischen Arbeit promoviert. Die Untertesteinteilung wird jedoch identisch vom DTVP-1 übernommen.

10. D. D. Hammill (s. o.) erwirbt die Rechte am DTVP.

11. Der Anspruch eines Differenzialdiagnostikums wird fallengelassen. Eine Therapieplanung anhand des DTVP-2 ist nicht möglich.

12. Obwohl damit die Sinnhaftigkeit der bisherigen Untertesteinteilung somit endgültig ad absurdum geführt ist, wird der DTVP-2 mit nunmehr acht Untertests sogar noch verlängert.

13. Die faktorenanalytische Bemühungen sollen nun nicht mehr die Sinnhaftigkeit der Unterteilung in acht Untertests belegen, sondern eine Überprüfung motorischer vs. motorikreduzierter Wahrnehmung Aspekte ermöglichen – acht Untertests für zwei Faktoren. Dies gelingt nicht.

14. Die jetzt unleugbare Redundanz der Untertesteinteilung wird irreführend als Beleg dafür angeführt, dass tatsächlich alle Untertests visuelle Wahrnehmung messen. Wozu dann acht Untertests?

15. Zu diesem Zeitpunkt ist klar: Die Testautoren bewerben ein differentialdiagnostisches Vorgehen mit einem Test, der ihrem ureigenen Bekunden nach hierzu weder gedacht noch geeignet ist. Ein eklatanter Widerspruch, der – weil unauflösbar – unaufgelöst bleibt.

16. Der DTVP-3 beinhaltet jetzt wieder „nur“ noch fünf Untertests.

17. Erneut leiten die Testautoren ein, dass der DTVP-3 keine zuverlässigen differentialdiagnostischen Aussagen zulässt. Und dennoch wird im eklatanten Widerspruch hierzu erneut versucht, die Untertesteinteilung faktorenanalytisch zu begründen.

18. Dabei werden Untertests weggelassen und einzelne Items so verändert, dass nunmehr eine Passung in die – bereits vielfach widerlegte – erdachte theoretische Fundierung erreicht wird. Wozu? Der DTVP-3 soll doch nach Angabe der Testautoren überhaupt nicht differentialdiagnostisch genutzt werden können.

19. Es wird nunmehr endgültig deutlich: Die Testautoren beschreiben – widersinnig und bewusst irreführend oder völlig unwissend – die differenzierende Anwendung des DTVP-3, die sie statistisch zu begründen versuchen, deren Sinnhaftigkeit sie selbst jedoch verneinen, da der Test dafür nicht geeignet sei (und tatsächlich  auch nicht ist).

20. Der FEW-3 ist in Vorbereitung, und erneut wird eine differentialdiagnostische Verwendung beworben, die  bekanntermaßen gleichzeitig von den Testautoren als nicht möglich dargestellt wird:

https://www.dipf.de/de/forschung/projekte/frostigs-entwicklungstest-der-visuellen-wahrnehmung

21. Und es bleibt dabei: Der FEW ist nicht  „zur differenzierten Beurteilung der visuellen Wahrnehmungsentwicklung im Alter zwischen vier und zehn Jahren“ (ebd.) geeignet. Das wollte Frostig 1961 zwar, doch das zugrundeliegende Konzept der visuellen Wahrnehmung ist – wie seit mehr als 50 Jahren bewiesen – schlichtweg falsch. Daran werden auch FEW-4 und FEW-5 und -6 nichts ändern.

22. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 

https://tischlerweb.wordpress.com/2017/04/13/frostigs-entwicklungstest-der-visuellen-wahrnehmung-few-bis-few-3/


Lesen Sie hierzu Tischler, L., Dymke, S. & Knabe, N. (im Druck). Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung – FEW in der Theorie und in der Praxis. praxis ergotherapie, 5.