Neue DGKJP-S3-Leitlinie Rechenstörung online – keine Empfehlung der IQ-Diskrepanz

https://www.kjp.med.uni-muenchen.de/download/S3_Leitlinie_Dyskalkulie_Langfassung.pdf

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Zwischen bezugsgruppen und kriteriumsorientierter Leistungsmessung

Die vorliegende Arbeit führt ein in die grundlegenden Unterschiede zwischen bezugsgruppen- und kriterienorientierter Leistungsmessung. Die teilweise Unvereinbarkeit beider Formen der Leistungsbewertung wird in seinen testtheoretischen Grundzügen mit Bezug auf Stichprobenparameter, Invarianzbedingung, Reliabilität, Validität und Itemanalyse dargestellt. Ergänzt wird um einen Exkurs zum Reliabilitäts-Validitäts-Dilemma der Veränderungsmessung. Als bedeutsam erweist sich die Arbeit für pädagogisch-psychologische Zuordnungsstrategien. Ausführungen zur Leistungsbewertung an Hochschulen stellen einen aktuellen juristischen Bezug her.

Hier finden Sie pdf.Datei.

Reliabilitäts-Validitäts-Dilemma. Lars Tischler.

ATTENTIONER-Training „enthüllt“

Das neuropsychologische Aufmerksamkeitstraining ATTENTIONER

Das ATTENTIONER-Programm für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsstörungen stellt ein neuropsychologisches Funktionstraining, eingebettet in ein verhaltenstherapeutisches Rahmensetting, dar. Demgemäß ist es theoretisch fundiert anhand der sogenannten Taxonomie der Aufmerksamkeit von Sturm sowie lerntheoretischen Grundlagen zur Verhaltensmodifikation (Verstärkung, SORKC-Schema). Hierbei handelt es sich allerdings um eine klinische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse der sogenannten Allgemeinen Psychologie. Diese behandelt Informationsverarbeitungsprozesse, die allen Menschen gemeinsam sind. Hierzu zählt selbstverständlich auch die Aufmerksamkeit.

Nach Sturm lässt sich Aufmerksamkeit als Funktion differenzieren in Aufmerksamkeitssteuerung und Aufmerksamkeitsintensität. Das ATTENTIONER-Programm richtet sich an die Aufmerksamkeitssteuerung. Hierbei werden Aufgaben verwendet, die sich an den sogenannten Forschungsparadigmen der Allgemeinen Psychologie orientieren. Dies sind ursprüngliche Versuchsanordnung aus der psychologischen Grundlagenforschung. Hierzu zählen etwa das Go-/Nogo-Paradigma oder das Stroop-Paradigma (s. u.). Die entsprechenden Effekte (Stroop-Effekt) sind sehr bekannt. Es finden sich hierzu beliebig viele Inhalte im Internet. Sowohl die Diagnostik als auch die Therapie der Aufmerksamkeit bedienen sich dieser allgemeinpsychologischen Inhalte – regelmäßig jedoch, ohne explizit darauf hinzuweisen, was leider ein Verständnis der verwendeten Aufgaben erschwert.

Doch was haben diese Forschungsparadigmen genau mit einer Verbesserung der Aufmerksamkeitssteuerung zu tun? Darauf gibt das Manual des ATTENTIONER-Trainings leider keine ausreichende Antwort.

Lars_Tischler_ATTENTIONER

Im Grunde ist das ATTENTIONER-Programm sehr einfach strukturiert. Es richtet sich grundsätzlich an die verminderte Fähigkeit aufmerksamkeitsgestörter Patientinnen und Patienten sich zu hemmen – dies sowohl in Bezug auf irrelevante innere (Gedanken, Ideen, Erinnerungen) als auch äußere Störreize (Distraktoren). In der Folge kommt es zu dem bekannten ADHS-Kardinalsymptom Unaufmerksamkeit – hier spezifiziert als Ablenkbarkeit: Eine sogenannte Orientierungsreaktion kann auch auf irrelevante Störreize nicht unterdrückt werden. Entsprechend kommt es zu unstetem, sprunghaften Arbeitsverhalten, wie es vielen aus der Schule oder der klinischen Praxis bekannt ist. Das wesentliche Ziel des ATTENTIONER-Programms besteht entsprechend in einer Verbesserung der Aufmerksamkeitssteuerung mit Bezug auf die Etablierung von Hemmung (Inhibition), also der Unterdrückung einer Reaktion auf irrelevante Störreize. Die Aufmerksamkeitsstörung wird entsprechend verstanden als Inhibitionsstörung – sowohl mit Bezug auf innere Gedanken, äußere Störreize (Ablenkbarkeit) als auch überschießende Motorik (Hyperaktivität).

An dieser Stelle setzt nun das Training an. Die Trainingsaufgaben sind dabei wie folgt konzipiert:

  1. Fokussierung auf eine bestimmte Aufgabe, etwa reagieren auf bestimmte Zielreize (Signalentdeckungsaufgaben)
  2. Fokussierung auf eine bestimmte Aufgabe und Ausblenden irrelevanter Störreize (Reaktionshemmung bei Distraktoren)
  3. Fokussierung auf eine bestimmte Aufgabe, Ausblenden irrelevanter Störreize und Beachtung bestimmter, seltener Zielreize.
  4. Wechsel zwischen zwei Aufgaben (parallele Reizverarbeitung)
  5. Wechsel zwischen zwei Aufgaben und Ausblenden irrelevanter Störreize (Reaktionshemmung bei Distraktoren)
  6. Wechsel zwischen zwei Aufgaben, Ausblenden irrelevanter Störreize und Beachtung bestimmter, seltener Zielreize

Die Trainingsaufgaben bestehen also aus der Kombination dreier Aufgabenelemente, die in ihrem Schwierigkeitsgrad variiert werden. Dies geschieht über Veränderung in Frequenz, Intensität und Regelmäßigkeit der Ziel- sowie Störreize.

Ein weiterer Aufgabentyp, der in die bereits genannten integriert ist, besteht in der Einübung von Hemmprozessen, ohne dass eine Darbietung von Distraktoren notwendig wäre. Hier kann zur Veranschaulichung beispielhaft das Stroop-Paradigma (benannt nach dem Psychologen John Ridley Stroop, 1897–1973) herangezogen werden. So kann der bisherige Schwierigkeitsgrad weiter variiert werden.

Testpersonen bekommen etwa in unterschiedlicher Schriftfarbe geschriebene Farbwörter (rot, schwarz, blau etc.) visuell dargeboten. Die Aufgabe besteht darin, die Schriftfarbe laut zu benennen, nicht jedoch, das Farbwort laut zu lesen. Beim Lesen handelt es sich allerdings um einen automatisierten Informationsverarbeitungsprozess, der regelmäßig nahezu völlig selbständig abläuft. Wir können nicht nicht-lesen, wenn wir ein Wort sehen! Wird nun etwa das Farbwort „rot“ in der Schriftfarbe „blau“ dargeboten, besteht die automatisierte Aussprechreaktion im lauten Lesen des Wortes „rot“. Die Aufgabe besteht hingegen darin, die Schriftfarbe „blau“ laut zu benennen. Die automatisierte Verarbeitungsroute (lautes Lesen des Farbwortes) muss nun also zugunsten der kontrollierten Verarbeitungsroute (lautes Benennen der Schriftfarbe) gehemmt werden.

Hierbei kommt es zu einem Anstieg der Reaktionszeiten und Fehlerrate. Im Grunde handelt es sich also um eine erschwerte Version sogenannter Go-/Nogo-Aufgaben, wie man sie auch aus Spielen wie „Spitz, pass auf!“ oder „Halli Galli“ kennt. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass bei der Stroop-Aufgabe bei jedem Wort eine Reaktion erfolgen muss, bei Go-/Nogo-Aufgaben nur bei bestimmten Reizen (Go-Bedingung).

Leider wird im Manual des ATTENTIONER-Programms das Prinzip der Aufgabenkonstruktion nicht dargestellt, sodass Anwender selten verstehen, „was genau sie da tatsächlich tun“. Die Einsicht in die Einfachheit des Trainings ermöglicht zudem die Entwicklung eigener, individualisierter Aufgaben – sowohl für Gruppen- als auch Einzelarbeit.

Das VIGESCO-Institut bietet hierzu regelmäßig Weiterbildungen an, die es Ihnen ermöglichen, tatsächlich eigenständig und verstehend sowohl mit dem eigentlichen ATTENTIONER-Programm zu arbeiten, als auch selbst ansprechende und in der Schwierigkeit Ihren Patientinnen und Patienten angemessene Trainingsaufgaben zu erstellen.

Dipl.-Psych. Dr. Lars Tischler

Dipl

IGLU-Daten 2016 sind online

https://www.waxmann.com/?eID=texte&pdf=3700Volltext.pdf&typ=zusatztext

Unter dem obenstehenden Link können Sie den Volltext der internationalen Schulleistungsvergleichstudie zur Lesekompetenz laden. Weitere Materialien finden Sie unter dem untenstehenden Link.

„Mit IGLU/PIRLS wird seit 2001 alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich untersucht. Mit der Erhebung im Jahr 2016 hat sich Deutschland das vierte Mal an IGLU beteiligt.

Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU)/ Progress in International Reading Literacy Study (PIRLS) ist eine international-vergleichende Schulleistungsuntersuchung, die von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verantwortet wird. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe, das unter Berücksichtigung zentraler Rahmenbedingungen schulischer Lernumgebungen betrachtet wird. Die Erhebung findet in allen 16 Bundesländern statt. Untersucht wird eine für Deutschland repräsentative Stichprobe von ca. 4000 Kindern der vierten Jahrgangsstufe an 200 Grund- und Förderschulen, die nach dem Zufallsprinzip bestimmt wurden.
Lesekompetenz wird im Kontext von IGLU als Fähigkeit verstanden, Texte verschiedener Arten zu verstehen und zu nutzen. Untersucht werden die (textimmanenten und wissensbasierten) Verstehensleistungen sowie die Intentionen, mit denen ein Text gelesen wird. Der in IGLU eingesetzte Lesetest besteht aus literarischen und informierenden Texten. Jedes Kind bearbeitet ein Testheft bestehend aus je einer dieser Textart und anschließenden Fragen zum Text. Teilweise sind vorgegebene Antwortalternativen zu den Fragen gegeben, teilweise müssen Antworten selbst formuliert werden.
Wie schon in vergangenen Zyklen von IGLU werden auch in IGLU 2016 Fragebögen für die teilnehmenden Kinder, ihre Eltern, die unterrichtenden Lehrpersonen im Fach Deutsch und die Schulleitungen eingesetzt. Die Fragebögen dienen dazu, relevante Informationen über den schulischen und familiären Hintergrund der Schülerinnen und Schüler zu sammeln, um die Leistungsergebnisse im Zusammenhang mit den teilweise sehr unterschiedlichen sozialen und schulischen Rahmenbedingungen angemessen interpretieren zu können.
Ein zentrales Anliegen der Studie ist es, langfristige Entwicklungen in den teilnehmenden Bildungssystemen zu dokumentieren. Die Teilnahme Deutschlands erfolgt als Teil der Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring in Deutschland auf Beschluss der KMK und einer Vereinbarung zwischen der KMK und dem BMBF“ (Technische Universität Dortmund, 2017. Zugriff am 05.12.2017, verfügbar unter

http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Forschung/Gesamtliste-Laufende-Projekte/IGLU-PIRLS-2016.html

22. Fachtagung des Legasthenie-Zentrums Berlin e. V. am 24.11.2017 – „TEILHABE ERMÖGLICHEN – LERNEN FÖRDERN“

Am Freitag, 24. November hält Dr. Lars Tischler einen dreistündigen Workshop zum Thema Visuelle Wahrnehmung und Lesen, Schreiben, Rechnen.

Finden Sie hier den Flyer zum Fachtag.

http://www.legasthenie-zentrum-berlin.de/fort-und-weiterbildung/fachtagungen/

Finden Sie hier die Folien zum 3-Stunden-Vortrag von Lars Tischler inkl. bescheidener Empfehlungen zu Spielen in der Therapie visueller Informationsverarbeitungsstörungen.